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Lederfabrik Sohre

Leder zeichnet sich nicht nur durch seine Langlebigkeit und Reißfestigkeit aus, sondern auch durch seine natürliche Elastizität gemäß der Bewegung des Trägers und seiner Atmungsaktivität. Bereits in der Steinzeit erkannten die Menschen die Vorteile von gegerbter Tierhaut und ist seit dem aus kaum einer Epoche wegzudenken. Mit Anstieg der Population stieg auch der Bedarf an Ledererzeugnißen und schnell kamen kleinere Handwerkbetriebe an ihre Grenzen. Im Zuge der Industrialisierung entstand schließlich auch in Freital 1893 ein großes Lederwerk für Schweinsleder, deren Waßer zum Waschen, Gerben und Färben aus der Weißeritz über den Mühlengraben geleitet wurde.

Die Gebrüder Sohre errichteten das viergeschoßige Werksgebäude auf dem Gelände der alten mechanischen Samtweberei der Gebrüder Berndt, geplant als Zulieferer für ihr Ledergeschäft in Dresden. Nach einem Brand 1899 wurde es bis 1909 wieder errichtet und 1906 an den Schienenverkehr #Deuben angeschloßen. 1912 und 1914 verstarben beide Brüder. Ihr Betrieb schloß sich 1922 mit Berger zur "Lederfabrik Heinrich Berger & Co." zusammen und umfaßte nun 2 Werksgebäude - in Freital und Ostritz. Den 2.Weltkrieg überstand das Gebäude gut und die Arbeit konnte wieder regulär anlaufen, nachdem das Unternehmen enteignet und als Werk VII, Teil des Kombinates Lederwaren Schwerin, wurde. Kurz nach der Wende schloß man das Werk, nicht nur weil die Maschinen nicht mehr zeitgemäß waren, sondern auch aufgrund sich verändernder Auflagen und Bedarf von Leder.

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Seit dem entbrannten hitzige Diskußionen über das 8000qm großen denkmalgeschützte Areal, welches nun, August 2019, ein vorläufiges Ende fand.
Der ortsentwicklungsgeschichtlichen Bedeutung entsprechend sammelte man viele Jahre Ideen, um das Gebäude zu erhalten oder zu sanieren. Doch weder fanden sich private Investoren, noch Fördermittel zur Umsetzung einer Denkfabrik junger Unternehmen.

1998: Dresdner Unternehmen D.I.G. hat die Vision einer Outlet Factory. Doch diese wurde nie umgesetzt.
2013: Die Stadt Freital kaufte das Gelände für 700.000 Euro. 480.000 Euro stammten aus Fördermitteln.
2015: Im Auftrag des Baubürgermeisters Jörg-Peter Schautz dreht zur Investorengewinnung Marco Haupt einen Imagefilm
2017: Gutachten stellt höhere Sanierungskosten im Vergleich zu einem günstigeren Abriß fest. Problematisch sind zudem Schadstoffe, welche beim Gerben verwendet wurden und den Boden verseucht haben. Die erste Schätzung für den Abriß des Gebäudes und der Bereinigung belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro - ohne Fördermittel aus dem Städtebauprogramm.
18. Mai 2017: Die Landesdirektion berechnete für eine Bestandßicherung, Altlastenbeseitigung und Sanierung mindestens 8,7 Millionen Euro. Die Stadt selbst müßte davon aus dem Haushalt mindestens 3,8 Millionen Euro bereitstellen. Der hohe Eigenanteil überstieg die finanziellen Möglichkeiten der Kommune und der Stadtrat beschloß den Abriß des Gebäudes.
Herbst 2017: Antrag auf denkmalschutzrechtliche Abrißgenehmigung der Stadt Freital. Entscheidung sollte die Denkmalbehörde des Landkreises gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflegefällen, doch es kam zu keiner Einigung.
August 2018: Die denkmalschutzrechtliche Genehmigung für den Abbruch wurde schließlich von der Landesdirektion Sachsen erteilt.
August 2019: 2 Fördermittelbescheide aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) in Höhe von 4,15 Millionen Euro machten den Start des Abrißes zum 12.August 2019 möglich.


Geplant war ursprünglich, das von der Landesregierung seit 2011 geplante Haus der Bildung (Zusammenlegung der Sächsischen Bildungsagentur und des Sächsischen Bildungsinstituts zu einem Landesamt für Schule und Bildung) dort anzusiedeln. Doch dies wird nun nicht der Fall werden. Stattdeßen stellte im April 2019 der Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz eine konkrete Vision eines fünfgeschoßigen Behördenzentrums mit Wohnungen, Läden und Veranstaltungsräumen vor. Bestehend aus 3 Gebäuden, um den jetzigen Nettoplatz erweitert und mit gläserne Luftbrücke sollen so 230 Arbeitsplätze geschaffen werden. Voraußichtliche Kosten: rund 30 Millionen Euro.

2020: Abriß und Altlastenbeseitigung sollen beendet sein und der Mühlengraben wird freigelegt.
2021: Brachflächenrevitalisierung soll mit insgesamt rund 5,97 Millionen Euro abgeschloßen sein.
Anfang 2024: Gebäudekomplex könnte eröffnet werden.
Freital profitierte viele Jahrzehnte vom alten Handwerk der Weberei und Gerberei und wir alle kennen unsere Stadt nur mit diesem brachliegenden Gebäude. Der nun stattfindende Abriß bewegt uns nun alle. Die einen freuen sich über die gewonnene Luft an der Poisentalstraße und die anderen schauen mit Wehmut auf verpaßte Chancen. Mit diesen entscheidendem Beschluß des Stadtrats von 2017 wurde aber nicht nur beschloßen die wohl bekannteste Freitaler Ruine zu beseitigen, sondern auch der Stadt die Möglichkeit gegeben, sich neu zu finden und weiter zu entwickeln.


Weinlich 11.08.2019, Lederfabrik Freital Weinlich 18.08.2019, Lederfabrik Freital


Berichterstattung:
06.05.2017: Freitals Lederfabrik: Abriß ist einzige Option
19.05.2017: Einstige Lederfabrik bekommt in Freital eine Schonfrist
27.05.2018: Behördenstreit um Abriß der Lederfabrik
30.08.2018: Einstige Lederfabrik in Freital darf abgerißen werden
26.04.2019: So soll die neue Lederfabrik außehen
07.08.2019: Umland Freital Abriß der ehemaligen Lederfabrik in Freital beginnt
30.08.2019: Einstige Lederfabrik in Freital darf abgerissen werden
30.12.2019: Der Abriss des Jahres